Projekt 2


Das Computerprogramm Projekt 2 (PR2) entstand bald nach Projekt 1 (etwa 1966) mit dem Ziel, die Kontrolle über den Kompositionsprozeß zu erweitern. Statt eines Werkes, das aus "Sektionen" besteht, werden "Varianten" eines mit PR2 beschriebenen Modells komponiert. Die Kontrolle erstreckt sich auf folgende Parameter:

Instrument:Liste von Instrumentnamen; jedes Melodie- oder Schlag-Instrument wird hinsichtlich seines Tonhöhen-, Dauern- und Lautstärkenumfangs definiert.
Rhythmik:Listen für Einsatzabstände, Dauern, Pausen und Tempi.
Harmonik:Wahl unter drei harmonischen Prinzipien: Akkordliste, Reihe, Intervalltabelle.
Dynamik:Liste von dynamischen Bezeichnungen.
Spielweise:Liste von Spielweisen.

Der Datenfluß von der Liste bis in die Partitur verläuft in allen Parametern mit Ausnahme der Harmonik über "Tabellen" und "Ensembles". Eine Tabelle enthält "Gruppen", eine Gruppe enthält beliebige Elemente aus der zugehörigen Liste. Ein "Ensemble" enthält eine oder mehrere Gruppen. Für die Wahl von Tabellengruppen für ein Ensemble wie auch für die Wahl der Ensemble-Elemente für die Partitur gibt es Selektionsverfahren für willkürliche Wahl (Alea), serielle, d.h. wiederholungslose Wahl (Serie), Wahl mit Gewichtsfaktoren (Ratio), Wahl mit gruppenweisen Wiederholungen (Gruppe), richtungsbestimmte Wahl (Tendenz) sowie Wahl von Einzelgrößen durch den Komponisten (Sequenz).

Die Parameter sind im Sinne einer Hierarchie voneinander abhängig, um zu verhindern, daß ein untergeordneter Parameter mit einem übergeordneten in Konflikt gerät. Die Hierarchie wird vom Komponisten bestimmt oder dem Zufall überlassen.

Mit Projekt 1 wird im Grunde eine homophone Akkordfolge komponiert, die der Kom-ponist im Nachhinein in polyphone Stimmen zerlegen kann. Auch PR2 beruht auf diesem Prinzip. Polyphone Strukturen lassen sich darüber hinaus dadurch erzeugen, daß die Ensembles mehrere, getrennt bleibende Gruppen enthalten. Jeder Schicht liegt eine dieser Gruppen zugrunde, sie beginnen gleichzeitig und werden, unabhängig voneinander, nach den für sie festgesetzten Selektionsverfahren gestaltet. Sie können auch harmonisch unabhängig voneinander bleiben oder, zunächst tonhöhenlos, nachträglich eine gemeinsame harmonische Struktur erhalten.

Die Dateneingabe erfolgt mithilfe von mehr als 60 Einzelfragen. Der Kompositionsprozeß verläuft autonom, d.h. ohne Eingriffsmöglichkeiten des Komponisten. Die erzeugten Partiturtabellen können ausgedruckt, gespeichert oder mithilfe einer Soundcard abgespielt werden.

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